FloydCraft
tu was du liebst…denn nur das schenkt dir Erfüllung <3
Er ist ein CloneHead“, sagt er und streicht das Haar in meinem Nacken zurück. Ich kann nur meine Knie anstarren und sehe aus dem Augenwinkel, wie die Frau zu mir kommt, höre ich einen kleinen erstickten Laut und dann:
„Du heilige Scheiße! Was…das verstehe ich nicht! Das ergibt keinen Sinn.“ Der Alte lässt meinen Kopf endlich los, ich kann‘s kaum erwarten…
„What the fuck?! Wovon redet ihr?“ CloneHead! Was ist das den für ein kranker Scheiß?
„Alter. Ich wache irgendwo in einer gottverlassenen Gruft auf, bin halb am verrecken, werde zusammengeschlagen und hab eigentlich gar keinen Plan WARUM zur Hölle das alles passiert!“
Meine Geduld ist absolut nicht mehr vorhanden. Ich zerre an dem Seil, das meine Hände hinter der Lehne zusammengebunden hält und starre die beiden Alten an. Schade, dass an mit Blicken nicht wirklich foltern kann.
„Junge, beruhig dich!“, zum ersten Mal schwingt etwas Bedrohliches in der Stimme des Alten mit. Was mich doch tatsächlich dazu bringt, zu verstummen. Er tritt nah an mich heran, den Revolver hält er, zwar nicht auf mich gerichtet, wieder in seiner Hand. Er rückt mir so dicht auf die Pelle, dass ich gezwungen bin ihm direkt in die tiefblauen Augen zu schauen. Irgendwie unheimlich…
„Jungchen…weißt du irgendwas?“ Aus einem unerfindlichen Grund muss ich erst schlucken und mein Sprachzentrum rebooten.
„Mein Name ist Noah…ich bin neunzehn…und vor ein paar Stunden bin ich in einer beschissenen Höhle aufgewacht…ohne mich an irgendetwas zu erinnern…es war, als hätte ich zum ersten Mal geatmet.“
Und wieder sitz ich im Dunkeln. Alleine, auf diesem scheiß unbequemen Stuhl. Das Wasser ist inzwischen verdunstet und mir bleibt nichts weiter übrig als seiner kühlen Nässe hinterher zu trauern. Was hab ich einen Durst…zum kotzen. Sie sind gegangen, haben das Licht und das Wasser mit genommen und mich hier, noch verwirrter als sowieso schon, sitzen lassen. Wir müssen das beraten, haben sie gesagt. Beraten! Anstatt sich zu beraten hätten sie mal ihren alten faltigen Mund aufmachen sollen und mir verdammt noch mal sagen, was zum Teufel sie mit CloneHead meinen…und warum ich einer war/bin/sein soll. Vielleicht, wenn ich nur lang genug probiere, dann kann ich vielleicht das dumme Seile…nein ich glaube es hat keinen Zweck. Warum muss es hier aber auch so stock finster sein, wie in der dummen Gruft. Scheiße man, wenn ich nicht bald was Flüssigkeitsähnliches bekomme, dann können die mich als Feuerholz verwenden! CloneHead…wenn es wirklich, das ist, von dem ich denke, dass es das ist…dann sollen sie mich auf der Stelle erschießen…oder lieber ertränken. Da ich ja sowieso keinen Plan von irgendwas habe…wäre es doch kein wirkliches Leben…oder? Ich atme…kann diesen dummen Stuhl fühlen und was für einen höllischen Durst ich habe…aber mit dem Wissen leben, dass nicht wirklich ich das bin?
Ohne Vorwarnung reißt jemand die Tür auf. Das Licht ist wie ein Stich.
„Hey!“, stoße ich hervor und blinzle, doch die Leute sind schon da und noch während ich benommen und mit eingeschränktem Blickfeld versuche zu kapieren, was läuft, werde ich vom Stuhl gezogen und durch die Flure eskortiert.
Jemand schlägt mir ins Gesicht. Der Schmerz explodiert hinter meiner Stirn. Nach dem Schmerz kommt das Wasser und reißt mich endgültig aus meiner Benommenheit. Aber nicht, weil es kalt ist und stinkt und auf meiner Haut unangenehm kribbelt…DURST. Ich habe einen scheiß verdammten Durst, dass ich mein eigenes…
„Wer zum Teufel bist du?“ Der Mann rammt mir seinen Revolver gegen die Stirn und ich kann dir sagen, das macht meine Kopfschmerzen in keinster Weise besser. Er ist alt, schwarz und hat blaue Augen, was allein schon bemerkenswert wäre, wäre da nicht dieser unglaublich große, graue und buschige Bart. Was für ein Gewächs von Gesichtsbehaarung! Ich blinzele. Gott, dass kann doch nicht wahr sein! Irgendwelche komischen Geräusche kommen aus meinem Mund, weil mein Gehirn mal wieder absolut überlastet ist. „Red keinen verdammten Mist!“ Seine Stimme ist nicht wirklich aggressiv. Nicht mal in seinem Gesicht kann ich sowas wie Feindseligkeit erkennen.
„Ich…ich weiß nicht.“ Und wieder bin ich in einem schlechten ViMovie. Endlich nimmt er den Revolver weg, dass Metall hinterlässt ein seltsames Gefühl direkt auf meiner Stirn. Wie dämlich ich mir vorkomme…
„Was zur Hölle machst du hier? Woher kommst du? Wer hat dich geschickt?“
„Bist du taub…ich hab bereits gesagt, dass ich keinen Plan habe. Wo bin ich überhaupt?“ Endlich, endlich hat mein Gehirn upgegradet, wurde auch Zeit. Mein Blick streift durch den Raum. Versifft. Tapete hängt in Streifen von den Wänden. Die Decken, sowie die Bodenbalken sind verbogen oder gar nicht mehr vorhanden, der Stuhl auf den ich geschnallt bin ist mehr als hinüber…ein Wunder, dass der mich noch hält. Abgesehen von einem weiteren Stuhl und einem abgewetzten Sofa ist der Raum leer. Mein Blick wandert zurück zum alten Mann, der kaut jetzt auf einem Barthaar und sieht mir forschend ins Gesicht. Wir starren uns einen ewigen Moment an und ich brauche alle meine Kraft um meine Augen nicht feindselig zusammen zu kneifen. Meine Autorität hält sich wohl auch in Grenzen, so lange mir Wasser aus den Haaren tropft und den siffigen Raum mit leisen Platsch-Geräuschen erfüllt. Ich will, dass er keine Emotionen auf meinem Gesicht lesen kann. Gerade als die Starrerei beginnt lächerlich zu werden, tritt eine Frau ins Zimmer.
„Scheiße McMurray, warum hast du ihn noch nicht erschossen?!“, ich erkenne ihre Stimme wieder, von dem Moment, kurz bevor ich in meiner Gruft das Bewusstsein verlor. Sie ist alt, mindestens genauso wie der Mann. Ihr graues Haar hat sie zu einem straffen Knoten hochgebunden und in ihrem bleichen faltigen Gesicht wirken ihre dunklen Augen ziemlich beunruhigend. Der strenge Eindruck, den sie vermittelt, wird durch ihre eckige Brille verschärft. Wie ein Habicht schaut sie auf mich nieder. Es würde mich nicht wundern, würde sie gleich ihre Klauen nach mir strecken.
„Stattdessen lässt du ihn hier gemütlich sitzen! Willst du vielleicht auch noch ein Kaffekränzchen mit ihm halten? Ich sag dir, er ist einer von ihnen.“ Sie blickt den Alten, McMurray, ärgerlich an. Der verzieht keine Miene und kaut weiter gedankenverloren auf seinem Bart.
„Suzan Schätzchen. Ich glaube kaum, dass er von ihnen geschickt wurde.“ Ach? Wie kommt er denn plötzlich zu dieser Überzeugung?
„Was meinst du damit?“ Der Alte Man, drückt ihr den Revolver in die Hand, blickt zu mir bevor er bedächtig auf mich zu kommt, in meine nassen Haare greift und meinen Kopf nach unten drückt.
„Er ist ein CloneHead“
Dankeschön :) das ist das beste Kompliment das man mir machen kann. Danke!
Beim Versuch, e-Books aufs Handy herunterzuladen und einen Film über itunes auszuleihen, 100 Passworteingaben und “Bestätigen Sie hier”-Klicks später, geht das Internet an und aus als wippte jemand mit einem Fuß auf der Leitung.
Entnervt nehme ich mein Buch zur Hand: “Germinal” von Emilie Zola. 1885 geschrieben. Der Film, der im Kopf entsteht, läuft ohne Unterbrechungen. Seit über einem Jahrhundert. Da soll noch jemand sagen, Bücher hätten keine Zukunft.
Stunden vergehen, Tage? Oder vielleicht auch nur Minuten. Irgendwann wird die Zeit bedeutungslos. Die Kopfschmerzen vergehen, was bleibt ist ein dumpfes Pochen und ich weiß nicht ob es Einbildung ist. Nach dem Schmerz kommt der Durst, nach dem Durst die Leere. Ich liege auf dem steinigen Boden, starre an die Decke, oder zu mindestens in die Richtung, in der ich den Himmel vermute. Ich bin ohne Inhalt, konturenlos und ohne Emotionen. Ich habe keine Furcht, Sorge, Bedenken. Fühle mich nicht mehr eingesperrt und nicht so als würde mir etwas fehlen. Ich bin. Mehr ist da nicht. Und ich habe nicht mal mehr Befürchtungen, die den Tod betreffen. Käme er hier und jetzt über mich wäre es nicht von Bedeutung. Wäre dies mein letzter Atemzug…er wäre wie jeder einzelne, den ich davor schon tat. Irgendwann. Kommt. Der Schlaf.
Ein Klacken, das unendlich an den Wänden wiederhallt. Mich reißt es aus dem Schlaf und ohne, dass die Zeit vergangen ist stehe ich. Alles ist verdreht. Flackernd wirft sich das Licht von den Wänden. Meine steinerne Gruft erfüllt mit Geräuschen…Stimmen? Immer lauter, bis sie die Stille völlig aus meinem Kopf getrieben haben. Es ist das Schönste, was ich jemals gehört habe.
„Hallo?“ Meine Stimme ist heiser und so rau wie die Wände. Die Geräusche lassen nach und jemand scheint zu sprechen…aber meine Ohren sind noch nicht komplett synchronisiert und die Stimmen dringen verzerrt in meine Gedanken…ohne Sinn.
„Hey“, und jetzt brülle ich fast. Scheiße man, irgendwer ist da und kann mich hier raus holen. Und Endlich dringt das Licht in meinen Sarg. Meine Beine verlieren jegliches Gefühl…brechen weg, wie gefällt. Irgendwo spricht eine Frau.
Eine Explosion erschüttert das ganze Gebäude. Wie in einem schlechten ViMovie bröckelt der Putz von der Decke. Ich sehe mich selbst. Mit mehr als zwei Dutzend weiteren Personen in diesem Keller, der so etwas wie einen Bunker darstellen soll. Gefercht. Mit blassen Gesichtern und Angst in den Augen. Mit meiner Mutter, wie sie mich panisch umklammert. Mein Gesicht, ohne Ausdruck, kaum älter als 6.
Ich schrecke auf. Mein Kopf fühlt sich an, als würde jemand einen Satz Schrauben, langsam und genüsslich, in meinen Schädel drehen. Ich widerstehe dem Drang mir an die Stirn zu fassen. Das hat keinen Sinn, da ist nichts. Mein Gott, was war das denn? Der Horrortripp in meine Vergangenheit. Scheiße man, wo bin ich überhaupt? Mein Gehirn ist grad absolut nicht fähig hochzufahren. Gott! Junge reiß dich mal en bisschen zusammen. Es ist aber auch scheiße dunkel hier. Ich blinzle, aber es macht irgendwie null Unterschied. Drehe meinen Kopf. Kleine Steinchen unter mir, alles andere als eine angenehme Kopfhautmassage. Aufsetzten hat auch keinen Effekt, aber wenigsten kann ich mir jetzt sicher sein, dass ich weder gelähmt noch festgeschnürt oder gar tot bin. Was mich nicht weiter bringt, da mein Gehirn immer noch auf Standby läuft und ich absolut keinen Plan habe wo ich bin, geschweige denn warum. Was mich noch mehr verstört…ich hab nicht mal einen Plan was los ist. Gott, dass letzte woran ich mich erinnere ist, genau, der Scheiß vom Anfang. Aber wie bereits bemerkt, ist das der Scheiß meiner Vergangenheit und dass ich nicht mehr 6 Jahre alt bin, müsste in zwischen jeder Idiot bemerkt haben. Und ich bin ein Idiot, was diese Behauptung bestätigt. Scheiße man. Okay, lass mal die Fakten zusammenkratzen. Noah, neunzehn, liege in einer scheiß beschissenen Steinhöhle und weiß…nichts. Ich fluche gerne, anscheinend. Gott, in was für eine unlogische Sache bin ich hier geraten?
Irgendwann finde ich mich selbst auf dem Boden, kriechend, vor mich hin murmelnd, jammernd, flehend. Sieh dich an, was für ein verficktes Häufchen Elend, ohne einen Plan, einer winzigen Ahnung und ein Fünkchen Hoffnung, dass ich jemals hier raus komme. Hallo Sarg, ich mach‘s mir schon mal bequem. Das einzige, was sich in meinem Gehirn finden lässt, ist eine nutzlose Vergangenheit. Wir müssen unsere Vergangenheit kennen, um unsere Zukunft zu verstehen. Jaja, schon klar. Meine Vergangenheit bringt mir absolut gar nichts. Höchstens die Erkenntnis, dass ich anscheinend immer nur in versifften, steinernen Gefängnissen festhänge. Vielleicht bin ich das, was man einen typischen bug nennt? Ein Fehler in der matrix. Eine verpazte screen-degeneration. Ein creeper, der mit einem Arm durch die Tür greift, während der restliche Körper nicht durchkommen kann…
| — | Pippins Lied - Herr der Ringe - J. R. R Tolkien |
ich möchte mich für meine literarische abwesenheit für die nächste zeit entschuldigen…man ist mehr oder weniger hart am bio-lernen :)
Wabernd und widerlich wird das Erbrochene mit dem Wasser heruntergerissen, in einem reißenden Strudel hinab in die finsteren Tiefen des Abflusses. Ich fühle mich immer noch, als stünde ich auf einem wankenden Schiff, doch die Wände drehen sich nicht mehr und mein Gehör scheint wieder völlig funktionstüchtig. Meine Knie zittern, als hätte sie jemand mit einem Hammer angeschlagen und nun vibrieren sie vor sich hin, machen es mir unmöglich einen vernünftigen Schritt zu tun. Wenn nur dieser verdammte Schwindel endlich aufhören würde. Das Waschbecken drückt sich hart und kalt in meinen Rücken. Scheiße, ich muss mich jetzt mal wieder einkriegen. Ich kann nicht daraus spazieren, wankend und taumelnd. Ein Gefundenes Fressen für die ViPic – Haie. Und dieser ekelerregende Krupp – Heini. Wenn der noch einmal seine schmierigen, fetten Wurstfinger auf mein Bein legt…vielleicht sollte ich einfach verschwindend…das wäre die Gelegenheit. Aber dann muss ich mich beeilen, wenn ich noch länger hier rumstehe, dann kommt bestimmt irgendwer. Den Auftrag meines Vaters zu erfüllen und mich gefälligst wieder am Tisch abzusetzen. Scheiß drauf. Ich muss hier weg. Ich muss hier schleunigst raukommen, sonst kann ich für nichts garantieren. Da gibt es doch gar nichts mehr zu überlegen! Los Clara, beweg deinen Arsch und mach, dass du hier wegkommst. Du versaust alles! Auf leisen Sohlen wabbele ich zum Eingang, öffne, so leise wie mir irgend möglich, die Tür und schlüpfe hinaus auf den Gang. Verdammt ist es kalt hier…draußen wird es noch unendlich kälter sein…egal man, das wird mich jetzt nicht abhalten. Oder doch? Links oder rechts? Mein Leben scheint nur aus diesen beiden Möglichkeiten zu bestehen. Links: raus aus diesem Horrorszenario. Weg von meinem Vater. Weg von den Lügen. Rechts: zurück in den warmen Raum. Zurück zu den grabschenden Krupp – Händen. Zurück zu alt eingefahrenem Verhalten. Scheint doch logisch, wofür ich mich entscheiden soll. Oder nicht? Nein. Es ist, verdammt, eine der beschissensten Entscheidungen meines ganzen verfickten Lebens. Und alles was ich eigentlich will, ist ein kuschliger Ort, der nur dazu da ist, meine Wünsche zu bedienen. Ich entscheide mich für. Der Schlag trifft mich völlig unvorbereitet. Aus heiterem Himmel. Ohne jede Vorahnung. Ohne ein Anzeichen. Zu meiner völligen Überraschung. Er tut scheiße weh.
Ich ging voran
stetig zu des Gipfels Höhen,
die Luft voll rauer Einsamkeit;
so karg was ich erblickte,
trist in alle Ewigkeit.
Die Arme schwach,
die Füße schwer.
Mein Wille war’s, er trieb mich an.
Mit Mühen, Qualen, ohne Sinn
kam ich am weißen Gipfel an.
So hell das Weiß,
nur kalte Weiten,
hab weder dich noch mich gefunden.
Ich stieg hinauf, doch Geist und Seele
bis zur Unkenntlichkeit geschunden.
Niemals fand ich,
was ich erwartet.
Das war der Lohn für mein Verlangen.
Zu Eis ward Körper und Gefühl,
die zuvor um Liebe rangen.
Es war,
als bräch ich auseinander,
mit Dolchen hab ich mich durchbohrt.
Ich schrie, es hallte in die Stille;
Doch keine Antwort kam von dort.
Dann stürzte ich;
Vom Thron des starren Eigensinns
und kalter Unerreichbarkeit.
Da ich doch dachte, ich entschwände,
in wohlige Glückseligkeit.
DU allein
hast mich getrieben
hinauf in gletscherweiße Höhen.
Hab gedacht ich könnt dich fassen,
mein Wunschtraum sollte sich erfüll’n.
Sei dir gewiss,
du bist der Schuldner;
schuldig an dem tiefen Falle
und an der Liebe schnellen Tod!